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didacta 2012 - Die Freie Interkulturelle Waldorfschule war dabei
Die Waldorfpädagogik hat jede Menge interkulturelles Potenzial“ – Podiumsdiskussion zu den Zukunftsaufgaben des Bildungswesens auf der didacta 2012.
Hannover, 16. Februar 2012. Die angemessene Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher ist die große Zukunftsaufgabe im deutschen Bildungswesen, der sich auch die Waldorfschulen stellen sollten. „In der Waldorfpädagogik steckt jedeMenge interkulturelles Potenzial, das die Lehrer nur erkennen und nutzen müssen“, so Prof. Michael Brater von der Alanus Hochschule und der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung (GAB), München in der heutigen Diskussionsrunde. Auch der taz-Bildungsexperte und Buchautor Christian Füller ermahnte die deutschen Schulen, sich wieder auf ihr „Kerngeschäft“ zu besinnen: „Der soziale Rucksack in der Bildung muss weg“, sagte Füller hinsichtlich der PISA-Ergebnisse. Deutschland habe im OECD-Ländervergleich eines der undemokratischsten Bildungssysteme.
Moderator Henning Kullak-Ublick vom Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS) verwies in seiner Einleitung am Beispiel Stuttgart auf den ständig steigenden Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund, der bei den Neugeborenen rund zwei Drittel betrage. Das Thema Interkulturalität gewinne so ständig an Bedeutung. Klassenlehrer Zan Redzic von der Freien Interkulturellen Waldorfschule Mannheim berichtete aus dem Schulalltag des Waldorfschulen- Pilotprojekts in einem sozialen Brennpunkt, bei dem beispielsweise auch das muslimische Zuckerfest am
Ende des Fastenmonats Ramadan gemeinsam gefeiert werde. Der zurzeit in Spanisch, Türkisch, Russisch, Kroatisch und Polnisch stattfindende sogenannte „begegnungssprachliche Unterricht“ fördere das gegenseitige Verständnis der
Schüler. Viel hinge aber auch von der Haltung der Lehrer ab: „Sie müssen offen sein und zuhören, was von den Schülern kommt“, so Redzic. Ein Rezept im Umgang mit den benachteiligten Kindern und Jugendlichen gebe es nicht. Er forderte, die Lehrer in ihrer Ausbildung besser auf diese Aufgabe vorzubereiten.
Das „Geheimnis des Erfolgs“ der Interkulturellen Waldorfschule Mannheim liege in dem wichtigen waldorfpädagogischen Grundsatz, dass Heterogenität nichts Schwieriges, sondern etwas prinzipiell Bereicherndes sei, schlussfolgerte Prof. Brater, der die Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim einige Jahre lang wissenschaftlich begleitet hat. Besonders spektakulär war dabei das Ergebnis der sprachfördernden Wirkung des Unterrichts. Im zweiten Schuljahr seien in der
Sprachkompetenz keine Unterschiede mehr zwischen Kindern mit deutscher oder anderer Muttersprache festzustellen gewesen. Dies liege auch an der gewollten Zusammensetzung der Klassen mit höchstens 50 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund.
Christian Füller sieht in der Mannheimer Schule einen „Testlauf, ob Waldorf auch anders kann“. Nach der Gründung durch den Fabrikanten Emil Molt vor mehr als 90 Jahren sei die Waldorfschule zugleich Bürger- und Arbeiterschule gewesen, die „Wurzeln sind also beide da“, betonte Füller. Er forderte die Waldorfschulen auf, sich mehr mit modernen Unterrichtsmethoden auseinanderzusetzen. Auch Prof. Brater wünschte sich die Waldorfschulen „mehr in Bewegung“ und
unterstrich die innovativen Impulse, die von der Interkulturellen Waldorfschule Mannheim ausgehen.
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